Es tut nicht gut
sich zu sehr zu gewöhnen.
Gewohntes ist des Staunens bar
und
ist die erste Rose
nicht die Schönste?
Wäre mein Leben ein Fluß
entspränge dieser
nicht ganz zufällig
irgendwo im Nirgendwo
und er flösse
durch saftig grüne Wiesen
über schroffes Gestein
unaufhaltsam atemlos
Zum Meer
Zum Meer
Er trüge beizeiten Hochwasser
und ränne dann wieder als bloßes Rinnsal
über hitzeheiße Steine
verdampfte im Blau des Himmels
doch er versiegte nicht
vereinte sich mit anderen Strömen
kräuselte sich meandernd
zwischen reich tragenden Apfelbäumen
Zum Meer
Zum Meer
Er wäre streckenweise begrenzt
doch würde er sich befreien
immer wieder
Matsch mit sich führend
und Geröll
Stromschnellen gäbe es
und den freien Fall
und dann
Das Meer
in dem
alle Flüsse münden
Da träfen wir uns wieder
meine Gedanken
kreisen
mich ein
in liegenden Achten
treffen sie sich
zermürbend regelmäßig
und mich
unablässig
ins Herz
sie kennen keine Gnade
unaufhaltsam
treiben sie mich vor sich her
fesseln mich
lähmen mich
ich muss hier raus
doch sie finden mich
überall
Ich geh im Dunkeln gern
durch stark bewohnte Straßen
Der schwache Schein
der hier und da
durch Fenster fällt
zieht meinen Blick wie magisch an
ich staune
So tröstlich nah
am Leben fremder Menschen
Besonders lieb‘ ich alte, seelenvolle Bauten
die schon so viele kommen, gehen sah'n
Mit Liebe erbaut
in Schönheit ergraut
unter zeitlosem Stuck:
Zuflucht und Heim
Und wenn ich einen Blick erhasche
auf fremder Menschen Alltäglichkeit:
Die Kinder am Küchentisch lärmen
Ein Mensch, sitzt, versunken ins Buch
Ein andrer spielt Cello - sehnsuchtsvoller Klang
so bin ich doch Fremde
stets nur eine Fremde
Nur diesen Moment vereint
Ich fühle Vertrautheit
und Fremdheit zugleich
und gehe zurück
in mein Leben
Wehmut und Glück
begleiten mich noch
im Dunkel
der stark bewohnten
Straßen
Heute strahlt die Sonne hell
Trübsal muss da leider warten
Blütenblätter, weiß wie Schnee
Tanzen froh im Sommergarten
Heute leuchten Mohn und Flieder
Schmetterling flattert im Wind
Alles Leben summt und zwitschert
Freude, Freude, wildes Kind
Zweifel, kleiner Bruder, du
Sorge, Last, ihr alten Tanten
Düsternis, du Weggefährte
Alle fort, ferne Trabanten
Heute lacht der blaue Himmel
Unbekümmert, voll Pläsier
Und es riecht nach Abenteuer
Heute schreit das Leben: Hier!
Was, wenn im lauen Sommerwind
im Regenguss, im Schrebergarten,
oder der Kühle dieser Nacht
in Schall und Rauch, in Ach und Krach
hunderte Ideen warten?
Was, wenn du gar nicht suchen musst?
Nur leise lauschen, Stille steh'n
nur deine Seele atmen lässt
und deinen Geist zur Ruhe legst.
Was, wenn sie dich dann auserwähl'n?
Was, wenn sich tausend Möglichkeiten
(an deren Leben du nicht glaubst)
sich grad bei dir Zuhaus' verstecken?
oder an der Ampel warten?
Würdest du sie dort entdecken?
es ist die Zeit
nach dem davor
und vor dem danach
Schwerelosigkeit
gefangen in der Warteschleife
Sinne mit Cellophan verhüllt
Seele, zarter Vogel, bau dir ein Nest
Stille
das Leben hält den Atem an
und fragt
und nun?
Wie ist die Zugfahrt oft beschaulich
Ich sitz´ bequem im Warmen, schau heraus
Gleite durch Wiesen, Wälder, Städte
Und staune stumm und atme ein und aus
Wie stillvergnügt ist mir hinter der Scheibe
Das Leben zieht im Rausch an mir vorbei
Und alles, was das Auge mir entdecket
Hallt in mir wider, rührt mich, macht mich frei:
Hebt mich heraus aus alltäglichem Denken
- wie wunderlich und seltsam scheint Manches -
Wie großartig! Auch trostlos oder traurig -
doch faszinierend. Ja, ich liebe es!
Einige Fotos in
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